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Ausgabe 4/2010

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Gleichzeitig mit dieser Ausgabe der AeroRevue erscheint die Sonderausgabe «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz». Eine Hommage an die Pioniere und Retrospektive der ersten zehn Dekaden der helvetischen Aviatik. Streiflichter einer bewegten und von unzähligen Ereignissen geprägten Epoche. 100 Jahre Luftfahrtgeschichte vereint zwischen zwei Umschlagsseiten – und dennoch lediglich Resümee einer grossartigen Historie. «Die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel. Die Zukunft allein ist unser Zweck», zeigte Blaise Pascal bereits im 17. Jahrhundert Weitblick. Rund 350 Jahre später, andere Worte, gleicher Inhalt: «Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können Einfluss auf die Zukunft nehmen. Das ist der Grund, warumVisionen so wichtig sind» (Christer Haglund, Finnair Senior Vice President Public Affairs & Corporate Communications). Was soll man in 100 Jahren über unsere Gegenwart berichten können? Welches werden dereinst die Helden und Pioniere unserer Zeit sein? Wozu wurde heute der Grundstein gelegt? Monat für Monat dient die AeroRevue als Plattformfür Menschen und ihre Geschichten, für Entwicklungen, Erkenntnisse und Errungenschaften, für politische, wirtschaftliche und technische Belange. Fragmente aus der Welt der Luftfahrt, Mosaiksteine in einem faszinierenden Zeitwerk – einem fortlaufenden Prozess unterworfen – und die Vergangenheit von morgen. Solcherlei Betrachtungsweisen lassen die Gegenwart in einer übergeordneteren Wahrnehmung erscheinen, die Relevanz der bereichsübergreifenden Interessen gegenüber den eigenen höher gewichten. Das «gemeinsam für eine Sache einstehen» statt unheiliger Allianzen, jene Dinge, die Menschen, Verbände, Sparten und Vereine miteinander statt gegeneinander erreicht haben, werden auch in unserer Zukunft von tragender Bedeutung sein und sich durch Nachhaltigkeit auszeichnen. Es ist Zeit für den Aufbruch in Richtung zweites Jahrhundert der einheimischen Aviatik, anstatt an Dissonanzen und für das Gesamtsystem irrelevanten Kontroversen hängenzubleiben. «Was wir heute denken, werden wir morgen sein», sagte einst der Schweizer Naturwissenschaftler Max Thürkauf. Was, wenn’s so wäre?

Patricia Andrighetto
Redaktorin
AeroRevue


Fliegen sicherstes Verkehrsmittel

IATA Zahl der Unfälle im Jahr 2009 gesunken

Fliegen bleibt weiterhin das sicherste Verkehrsmittel: Die Unfallrate im Luftverkehr ist im vergangenen Jahr auf den zweitniedrigsten Wert in der Geschichte der Branche gefallen. Das ist das Ergebnis des Sicherheitsberichtes 2009, den die International Air Transport Association (IATA) veröffentlicht hat. Danach lag die weltweite Unfallrate von Flugzeugen westlicher Bauart im vergangenen Jahr bei 0,71 Totalverlusten pro eine Million Flüge (ein Unfall pro 1,4 Millionen Flüge).

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Stimme für den Flughafen Grenchen

Grenchen Verein Pro Regionalflughafen Grenchen gegründet

Unternehmen aus dem Raum Biel-Grenchen-Solothurn haben den Verein Pro Regionalflughafen Grenchen gegründet. Der Verein will die Bedeutung der Luftfahrt für die Region öffentlich thematisieren und sich für die laufende Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit des Flughafens Grenchen einsetzen. Im Zentrum steht gegenwärtig der Masterplan für die Weiterentwicklung des Flughafens Grenchen mit dem Kernstück Pistenverlängerung.

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Flugfähigkeit in der Nacht wird getestet

Solar Impulse Nächtliche Versuchsflüge von Payerne aus bewilligt

Der Bundesrat hat Versuchsflüge des Projektes Solar Impulse ausserhalb der Öffnungszeiten des Flugplatzes Payerne bewilligt. Er hat einer entsprechenden Verordnung zugestimmt; diese wird am 1. April 2010 in Kraft gesetzt. Das in der Schweiz entwickelte Projekt Solar Impulse (Bertrand Piccard/André Borschberg) ist eine grosse technologische Herausforderung, deren Bedeutung weit über die Luftfahrt hinaus reicht. Im Rahmen der Versuchsphase wollen die Ingenieure von Solar Impulse eine Reihe von nächtlichen Testflügen ab dem Flugplatz Payerne durchführen. Diese Versuchsflüge sollen ab kommendem Frühling während rund drei Jahren stattfinden. Sie sollen die Flugfähigkeit des Flugzeugs, das nur von Sonnenenergie angetrieben wird, während der Nacht belegen. Ziel der Tests ist der Nachweis, dass sich das Flugzeug ohne jeden Treibstoff 36 Stunden nonstop in der Luft halten kann.

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Stimmungsvoller Auftakt in Avenches

Delegiertenversammlung 2010 Aero-Club der Schweiz Gegen 300 Delegierte und Gäste nahmen teil

Es war ein Auftakt nach Mass zum Jubiläumsjahr: Am Samstag, 13. März 2010 fand in Avenches die Delegiertenversammlung des Aero-Club der Schweiz statt – und sie stand ganz im Zeichen von «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz». Gegen 300 Delegierte und Gäste verfolgten diesen stimmungsvollen Anlass, unter ihnen Gastreferent, Astronaut und Pilot Claude Nicollier, Harry Hohmeister, CEO Swiss, die Nationalräte Adrian Amstutz und Max Binder, BAZL-Direktor Peter Müller, Pro Aero Präsident Hansruedi Fehrlin, Aerosuisse- Präsident Paul Kurrus und VSF-Präsident Werner Ballmer.In seinem Jahresrückblick verwies Zentralpräsident Beat Neuenschwander auf die zahlreichen Eingaben, Stellungnahmen und Vorstösse des Dachverbandes der Leichtaviatik und des Luftsports.

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Das Fest im Tessin

Auch in der Südschweiz wird das Jubiläumsjahr «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» zelebriert. Die öffentliche Veranstaltung findet am 17. April 2010 auf dem Flughafen Lugano statt. Der Aero-Club Lugano nützt diese Gelegenheit, der Öffentlichkeit seine Aktivitäten bzw. die dem Club zugehörigen Gruppen zu präsentieren. Unter Aufsicht von Instruktoren der Flugschule AVILU wird den Besuchern die Möglichkeit geboten, einmal selber ein Flugzeug zu steuern.

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Die Frauen sind gestartet

Schweizerische Pilotinnen-Vereinigung gegründet

Eine Handvoll flugbegeisterte Frauen haben im Jubiläumsjahr «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» die Schweizerische Pilotinnen- Vereinigung ins Leben gerufen. Primäre Ziele dieser Organisation sind der Aufbau von Kontakten zwischen Pilotinnen, die Pflege von Beziehungen zwischen den Mitgliedern sowie die Unterstützung von Projekten im Bereich Luftsport.

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Fit und vorbereitet in die Saison

Tipps für den Start nach der Winterpause

Die ewige Herausforderung, keine Fehler zu machen, begleitet Piloten bei jedem Flug. Wem ist es nicht schon passiert, dass er beim Anlassen des Motors den Starterknopf suchen musste, dass nach den ersten Umdrehungen der Motor wieder stehen blieb, weil der Mixer vergessen wurde? Wer hat nicht schon einen Schalter verwechselt, eine Frequenz falsch eingestellt oder gar das Canopy nicht richtig verriegelt? Fehler, die jedem Piloten unterlaufen können. Allerdings müssen daraus die richtigen Lehren gezogen werden.

Seite 14


Meeting der Allgemeinen Luftfahrt

Mit etwa 450 Ausstellern in neun Hallen und einem seit Wochen ausgebuchten Freigelände verzeichnet die Internationale Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt – die Aero in Friedrichshafen – eine gute Ausgangsbasis für einen erfolgreichen Geschäftsverlauf. Zum ersten Mal in diesem Jahr findet die Messe im einjährigen Turnus statt.

Wir bieten mit der Aero ein leistungsfähiges Marketing-Instrument an, das sich in den vergangenen Jahren sehr viel Vertrauen erarbeitet hat. Das ist für viele Kunden ein Argument, sich trotz angespannter Wirtschaftslage zu präsentieren und antizyklisch aktiv zu bleiben. » Mit diesen Worten hebt Aero-Projektleiter Thomas Grunewald hervor, wie wichtig es ist, auch in schwierigen Zeiten als Hersteller, Zulieferer oder Zubehöranbieter der Allgemeinen Luftfahrt Flagge zu zeigen. Nach EU-Angaben sind alleine im Gebiet der Europäischen Union mehr als 200000 Motor-, Ultraleicht- oder Segelflieger registriert.

Seite 16


Mit dem «Yeti» zum Dach der Welt

Anlässlich der Schweizer Dhaulagiri- Expedition im Frühling 1960 wurde in der Geschichte der Himalaja- Besteigungen erstmals ein Gletscherflugzeug für den Personen- und Materialtransport eingesetzt. Mit der Landung auf dem Dambuschpass (5200 Meter) und dem Nordostcol (5700 Meter) übertrafen die Piloten den durch Hermann Geiger in den Walliser Alpen aufgestellten Höhenweltrekord von 4200 Metern.

Die Idee, ein Flugzeug bei einer Himalaja-Expedition einzusetzen, war nicht neu. Bereits 1938 hatten die Deutschen bei ihrer Nanga- Parbat-Expedition versucht, Proviant und Ausrüstung mit einer dreimotorigen JU-52 über den Hochlagern abzuwerfen. Durch einen Schlechtwettereinbruch mit tagelangen Schneestürmen scheiterte jedoch der Versuch. Im Rahmen der Schweizer Dhaulagiri- Expedition von 1960 war es das Ziel, ein Flugzeug möglichst nahe an der Aufstiegsroute landen zu lassen.

Aero Revue

Seite 19


Besucher sind herzlich willkommen

Ein Luftfahrtmuseum zu Hause: Das war der Traum von Renzo Delnon. Ein Traum, der wahr geworden ist. Heute freut sich der Sammler darauf, viele interessierte Besucher in seiner Villa in Villars-sur-Glâne zu empfangen.

Der Freiburger Renzo Delnon war seit jeher von der Luftfahrt begeistert. In seiner Kindheit prägten ihn die Besuche des Flugplatzes Payerne und zahlreiche Flugtage ebenso wie künstlerische Produkte im Zusammenhang mit der Luftfahrt: ob die Comics mit Tanguy und Laverdure oder mit Buck Danny, Hollywoodproduktionen oder aber literarischen Werke wie etwa von Saint- Exupéry, für den er offensichtlich eine grenzenlose Bewunderung hegt. Dieser Leidenschaft konnte Renzo Delnon freien Lauf lassen, als er im Rahmen seines Militärdienstes als Mechaniker an besagtem Flugplatz tätig war und die Jagdpiloten und ihre stolzen Maschinen kennenlernte – die Vampire, die Hunter und die Mirage IIIS. Von dieser Zeit an blieb er der traditionellen Luftfahrt eng verbunden.

Seite 22


Der Erste Weltkrieg–Wegbereiter der kommerziellen Fliegerei

Die über Nacht geschaffene Schweizer Fliegertruppe betrieb während des Ersten Weltkrieges vor allem Pilotenausbildung, litt aber unter chronischem Flugzeugmangel. Taktische Einsätze gab es nur im Rahmen von Manövern. Kurz nach dem Krieg entstanden die ersten Gesellschaften, die einen zivilen Flugverkehr planten.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 hatte die erste Phase der Motorfliegerei mit den Pionieren der ersten Stunde in der Schweiz ein abruptes Ende gefunden. Gerade mal drei Tage vorher hatte der mit dem Aufbau einer Fliegertruppe beauftragte Hauptmann Real in einer Blitzaktion eine neue militärische Einheit geschaffen. Mit den an der Landesausstellung beschlagnahmten Flugzeugen und den von einzelnen Piloten mitgebrachten privaten Maschinen war eine solche Truppe natürlich nicht kriegstauglich. Deshalb wurden Schweizer Ingenieure, die im Ausland Erfahrung gesammelt hatten, in die Schweiz zurückgeholt. Sie sollten neue Flugzeuge für die Schweizer Fliegertruppen konstruieren.

Seite 24


Wind und Wetter im TAF

In früheren Ausgaben der AeroRevue wurde bereits auf einige Hintergründe der Flugwetterprodukte, im Speziellen des TAFs, hingewiesen, die dem Benutzer helfen, diese richtig zu interpretieren. Nach der Sichtweite (AeroRevue Nr. 10/2009) und der Bewölkung (AeroRevue Nr. 12/2009) wird nachfolgend Wind und Wetter thematisiert.

Der schöne Frühlingsanfang erlaubt uns einen ersten Flug zu Saisonbeginn nach Samedan. Nach der langen Winterpause bereiten wir uns besonders sorgfältig auf den Flug vor. Die Motorflugprognose verspricht ein paar wenige hohe Wolken, etwas Wind in den Alpentälern (mit leichten Turbulenzen) und keine wesentliche Änderung der Wettersituation. Auch das GAFOR unterstreicht dies mit «OOO» bis zum Mittag.

Seite 26


Weiterentwicklung gesichert

Das schwedische Parlament hat beschlossen, dass der Gripen bis über 2040 hinaus das Rückgrat der schwedischen Luftverteidigung bleiben wird. Das Flugzeug wird weiterentwickelt.

Gripen-Flugzeuge tragen bis heute die Farben von Tschechien, Ungarn, Südafrika und Thailand. Hauptbetreiber ist nach wie vor Schweden. Alle diese Luftwaffen sind an der Weiterentwicklung des Gripen-Systems interessiert. Deshalb wird das Programm von der schwedischen Regierung unterstützt, und das Parlament hat beschlossen, dass der Gripen über das Jahr 2040 hinaus das Rückgrat der schwedischen Luftwaffe bilden soll. Damit ist die kontinuierliche Modernisierung des Flugzeuges für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Seite 30


Mit Gegenwind auf Kurs

Das Jahr 2009 ist Vergangenheit, die Buchhaltung aus jenen zwölf Monaten Gegenwart: Swiss International Airlines und Lufthansa-Konzern haben kürzlich ihre Zahlen unters Volk gebracht. Nicht zufriedenstellend, aber bemerkenswert Die Deutsche Lufthansa AG hat im Geschäftsjahr 2009 ihr Ziel erreicht und trotz eines marktbedingten Umsatzrückgangs in Höhe von 2,56 Milliarden Euro einen operativen Gewinn von 130 Millionen Euro erzielt. Der Konzern erwirtschaftete damit rund 1,2 Milliarden Euro weniger als im Jahr zuvor. Die konjunkturbedingt schwächere Nachfrage und ein zeitgleicher, überproportionaler Rückgang der Durchschnittserlöse im Passagiergeschäft belasteten im vergangenen Jahr als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise die Ergebniskennzahlen des Konzerns. Vor diesem Hintergrund soll der Hauptversammlung vorgeschlagen werden, für das Geschäftsjahr 2009 keine Dividende an die Aktionäre auszuschütten.

Seite 31


Eine Liebeserklärung an die Luftfahrt

Die ersten 100 Jahre der Schweizer Luftfahrt «schwerer als Luft» stehen vor der Vollendung. 100 epochale Jahre, die wir im Jahr 2010 feiern dürfen. Niemals hätten es sich wohl die ersten Flugpioniere zu erträumen gewagt, zu welcher Entwicklung sie den Grundstein gelegt haben. Hätte man im Jahr 1910 den tapferen Schweizer Mannen um Failloubaz, Bider & Co. erklärt, dass man einige Jahrzehnte später nicht mehr in dürftigen Holzkisten durch die Lüfte gondelt, sondern von höchstem Komfort umgeben Ozeane überqueren, gleich mehrere hundert Menschen auf einen Schlag befördern oder auf den Mond fliegen kann, hätten sie für derlei Orakeleien wohl nicht mehr als ein müdes Fingertippen an ihre Aviatikerstirn übriggehabt. 1910 – das Jahr des Aufbruchs in der Schweizer Luftfahrt, die Initialzündung für Höhenflüge mit neuartigen Fluggeräten, erstmals ausgestattet mit Motoren. Junge Wilde sorgten für Aufruhr, brachen ein in die Phalanx der Luftschiffer, der Aerostaten, welche neun Jahre zuvor den schweizerischen «Aeroklub» ins Leben riefen, «um der Luftschifffahrt mehr und mehr Eingang zu verschaffen», wie die «Neue Zürcher Zeitung», Erstes Abendblatt, am 1. April 1901 vermeldete. 1910 war der Aero-Club also bereits neun Jahre alt, als er den aufkommenden Motorflug in seinen Tätigkeitsbereich einschloss – oder einschliessen musste. Denn im Ausland nahm die Öffentlichkeit regen Anteil an den Flugtagen. Und auch die Schweizer Bevölkerung geriet ob den waghalsigen Flugmanövern dieser Pioniere in der Schweiz mehr und mehr in Verzückung. Es war denn auch der Aero-Club, welcher Ernest Failloubaz das erste schweizerische Brevet mit der Nummer 1 in die Hand drücken konnte. Von da an war der Lauf der Zeit nicht mehr zu stoppen. Die Ereignisse überschlugen, die Entwicklungen jagten sich. Oskar Bider verkörperte diese Attribute in speziellem Masse. Seine Flüge, alleine 600 an der Zahl im Jahre 1913, seine Leistungen machten ihn zum Idol der Jugend. Die Entwicklung der Luftfahrt war nicht aufzuhalten und bereits 1920 sah sich der Bundesrat zum Eingreifen veranlasst: Die Luftfahrt wurde von da an gesetzlich geregelt. Aufbruchstimmung. Begeisterung. Pioniere. Die ersten Flugzeuge, Rekorde, Tragödien: Tauchen Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf den folgenden 52 Seiten ein in die faszinierende Welt von gestern, lassen Sie sich fesseln von Geschichten und Menschen, lassen Sie die Jahrzehnte Revue passieren und haben Sie Teil an der atemberaubenden Entwicklung der Luftfahrt in der Schweiz. 1910 bis 2010 im Zeitraffer, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, sondern als «Inhaltsverzeichnis » einer Geschichte zu verstehen, die Archive, Bücher und Tausende Ausgaben von Aviatikzeitschriften gefüllt hat – und als eine Liebeserklärung an die Luftfahrt von gestern, heute und morgen.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue


Eine einmalige Chance für die Schweizer Luftfahrt

Das Jahr 2010 wird zum Jubiläum der gesamten schweizerischen Luftfahrt – eine einmalige Gelegenheit, welche wir würdig und mit Stolz feiern wollen. Anfang dieses Jahrhunderts durchlief die Luftfahrt aus bekannten Gründen eine schwierige Phase. Die negativen Auswirkungen trafen alle Akteure bis hin zur Leichtaviatik und den Luftsport, was nicht ohne Folgen blieb. Die Jugend liess sich kaum mehr für eine aviatische Ausbildung motivieren. Daraus entstand bei mir der Gedanke, der Luftfahrt wieder zu einer positiven Plattform zu verhelfen. Im Wissen um die vielen fliegerischen Pionierleistungen, welche 1910 in der Schweiz erfolgten, rückte das Jahr 2010 für einen «Jahrhundertanlass» ins Zentrum. Mit einem Konzept, welches das gesamte Schweizer Luftfahrtsystem wie kommerzielle Zivilluftfahrt, Luftrettung, Arbeitsfliegerei, Luftsport, Freizeitaviatik, Militärluftfahrt, Flugsicherung und Flugzeugindustrie umfasst, wurde die ursprüngliche Vision in konkrete Realisierungsschritte überführt.

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100 Jahre Luftfahrt –100 Jahre aviatische Spitzenleistungen

2010 ist das Jubiläumsjahr der Schweizer Luftfahrt: Zahlreiche bedeutende Ereignisse unserer Luftfahrtgeschichte jähren sich zum hundertsten Mal. An einer Vielzahl von Veranstaltungen, verteilt über die ganze Schweiz, wird den historischen Leistungen gedacht, der heutige Stand der Schweizer Luftfahrt dargestellt und die Zukunft im internationalen Rahmen aufgezeigt. 1910 geht als historisch entscheidendes Jahr des Aufbaus der Schweizer Aviatik in die Geschichte der Schweizer Luftfahrt ein. Mutige Pioniere setzten zu einmaligen Leistungen an und beeinflussten damit die Entwicklung der Luftfahrt in der Schweiz massgeblich. Ein Jahrhundert später würdigen wir im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» diese grossartigen Leistungen, die visionären Taten und den innovativen Geist unserer Flugpioniere; Initiativen, die uns weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt gemacht haben, die sich völkerverbindend ausgewirkt und den weltweiten wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes beschleunigt haben. Damit steht die Erfolgsgeschichte der Schweizer Luftfahrt sinnbildlich für die einmalige Entwicklung der Schweiz.

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Sie kannten weder Furcht noch Respekt

1910 liessen wagemutige Piloten mit ihren waghalsigen Flugmanövern Menschenmassen in Verzückung geraten. Sie schrieben damit den Anfang einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte der Aviatik in unserem Land.

1910 war das Jahr, in dem auch die Schweiz ins Zeitalter der Fliegerei «schwerer als Luft» eintrat. Zwar hatte es schon im Jahr zuvor kleine Hüpfer einiger Konstrukteure und Ausstellungen von Flugapparaten gegeben. Aber einem breiten Publikum waren diese Aktivitäten kaum ins Bewusstsein gedrungen. 1910 sollte sich das gründlich ändern: Immer mehr Menschen erhielten die Möglichkeit, die wagemutigen, jungen Männer bei ihrem Tun am Himmel mit eigenen Augen zu sehen. Und diese schienen weder Furcht noch Respekt zu kennen. Jene Pioniere und Visionäre schrieben mit ihren tollkühnen, abenteurlich anmutenden fliegerischen Aktivitäten den Anfang einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte der Aviatik in unserem Land.

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Ernest Failloubaz

Aus Avenches VD, geboren 21.7.1892, Brevet Nr. 1, 10.10.1910 in Bern

Ernest Failloubaz war der jüngste Schweizer Pilot und einer der jüngsten in Europa. Als 17- Jähriger führte er am 10. Mai 1910 in Avenches den Erstflug mit dem ersten, von René Grandjean aus Bellerive in der Schweiz konstruierten Flugzeug durch. Und am 28. September absolvierte er den ersten Städteflug von Avenches nach Payerne.

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Edmond Audemars

Von Le Brassus VD, geboren am 3.12.1882, Brevet Nr. 7, 1.6.1910 in Issy les Moulineaux (F)

1901 wurde der sportliche Audemars in Kopenhagen Amateur-Radweltmeister über 100 km. 1909 schulte er bei Santos-Dumont auf dem kleinen Demoiselle-Eindecker, auf dem er auch sein Brevet errang.

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René Grandjean

Von Bellerive VD, geboren 12.11.1884, Brevet Nr. 21, 29.8.1911 in Dübendorf

Der Waadtländer baute 1905 mit 21 Jahren sein erstes Flugzeug, das aber nicht zum Fliegen kam. Fünf Jahre später gelang Ernest Failloubaz mit einer Grandjean-Eigenkonstruktion der erste Flug.Am29. August 1911 erflog Grandjean damit sein Brevet, als Erster auf dem Flugplatz Dübendorf, zu dessen Mitbegründern er gezählt wird. Grandjean war sehr innovationsfreudig, machte Versuche mit Skis, versah sein Flugzeug mit Schwimmern und startete von Seen aus.

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Geo Chavez

Peruaner, geboren 13.1.1887 in Paris

Jorge Chavez, in der Schweiz als Geo Chavez bekannt, war kein Schweizer, aber sein Flug vom 23. September 1910 von Brig nach Domodossola mit einem Blériot XI, der mit einem tödlichen Absturz kurz vor der Landung endete, bewegte die ganze Schweiz.

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Emilio Taddeoli

Von Genf, geboren 9.3.1879, Brevet Nr. 2, 10.10.1910 in Bern

Der Genfer Emilio Taddeoli war Rennfahrer auf Velo, Motorrad und Auto. 1909 machte er die ersten Flüge auf Blériot XI. In der Schweiz flog er mit Dufaux-Doppeldecker, auf dem er auch sein Brevet erflog. Für die Nationalspende war er mit seinem Morane-Eindecker an fast allen Flugmeetings präsent. VomBund erhielt er keine Unterstützung, so dass er 1914 die Schweiz verbittert verliess und während des ganzen Krieges als Werksflieger bei Savoia in Sesto-Calende 2700 Flugzeuge einflog.

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Oskar Bider

Von Langenbruck BL, geboren 12.7.1891, Brevet Nr. 32, 8.12.1912 in Pau (F)

Kaum hatte der Baselbieter in der Fliegerschule von Louis Blériot im südfranzösischen Pau sein Brevet auf einem Blériot XI erflogen, schrieb er mit der ersten Überfliegung der Pyrenäen Geschichte. Nach der Rückkehr in die Schweiz wurde er durch die Teilnahme an unzähligen Flugveranstaltungen, die Überfliegung der Alpen, einen Schweizer Rundflug und den ersten Postflug schnell zum beliebtesten Pionier.

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Robert Gsell

Von St. Gallen, geboren 20.12.1889, Brevet Nr. 12, 30.05.1911 in Etampes (F)

Robert Gsell war Diplom-Ingenieur in Dresden, Titularprofessor an derETHZürich – und Allround-Flieger. Er besass das Ballon-Brevet, das Segelflieger-Brevet C und das Brevet für Autogiros. Sein Motorflug-Brevet erflog er auf einem Blériot XI im französischen Etampes. Bis 1940 hatte Gsell 179 Flugzeugtypen geflogen, viele davon als Einflieger in Berlin- Johannisthal, wo er «alles flog, was Flügel hatte».

Seite 17


August Jucker

Von Zürich, geboren 29.10.1872, Brevet Nr. 13, 19.05.1911 in Douzy (F)

1910 wurde August Jucker Direktor des neuen Flugplatzes Dübendorf. Im Jahr darauf machte er sein Brevet auf einem Sommer-Aeroplan im französischen Douzy. Auf Farman-Doppeldecker folgten 1911 und 1912 zahlreiche Flüge in Dübendorf und an Schaufliegen, unter anderem auch in St. Moritz. In Berlin- Johannisthal kam Jucker am 14. Mai 1913 ums Leben, als sein LVG-Doppeldecker von einem andern Flugzeug gerammt wurde.

Seite 17


Fliegende Kisten

Mit der Entwicklung des Flugmodells «Schwerer als Luft» (im Gegensatz zu den bereits gebräuchlichen Luftschiffen) kamen die ersten ausländischen Flugmaschinen in die Schweiz.

Einige dieser Muster wurden in der Schweiz nachgebaut. Gleichzeitig konstruierten einige Schweizer Flugzeuge, die teilweise sehr erfolgreich waren. Andere kamen dagegen nicht vom Boden los. Verschiedene Schweizer Ingenieure zogen auch ins Ausland und nahmen dort teilweise führende Positionen in den Konstruktionsbüros renommierter Flugzeughersteller ein. Nachstehend fünf Beispiele von Flugzeugen, die sich in der Schweiz einen Namen machten.

Seite 19


«Fliegen ist keine Kunst –rollen ist alles!»

Die Pioniere waren Handwerker, nicht Schreiberlinge. Sie wollten handeln, nicht notieren. Sie wollten den Steuerknüppel führen, nicht den Gänsekiel. Sie atmeten den Duft von Benzin und Öl, nicht den Mief einer Schreibstube. So sind nur wenige direkte Zeugnisse der ersten Schweizer Flieger überliefert. Aber es gibt Ausnahmen.

Eine davon war der St.Galler Robert Gsell. Der Vollblut-Aviatiker pflegte einen humorvollen Stil. Seine ersten Eindrücke von der französischen Pilotenschule, wo er 1911 die Fliegekunst erlernte: «Vorderhand sehe ich allerdings mehr rollen als fliegen.Warumgehen denn die Schüler nicht in die Luft? Diese naive Frage löst bei meinen Kameraden schallendes Gelächter aus, und die Antwort ist nicht so ganz nach meinem Geschmack: ‹Wenn Sie einmal geradeaus rollen gelernt und dafür einige Tausender bezahlt haben, dann geht es mit dem Fliegen rasch – Fliegen ist keine Kunst, rollen ist alles›.»

Seite 20


Geschichte geschrieben

Die Entwicklung der Luftfahrt geschah in riesigen Schritten. Zwischen den ersten Hüpfern der Pioniere und den heutigen technischen Errungenschaften liegt ein Jahrhundert – geprägt von Meilensteinen, von denen jeder für sich von Bedeutung war. Eine Auswahl im Zeitraffer.

Robert Gsell war Diplom-Ingenieur in Dresden, Titularprofessor an derETHZürich – und Allround-Flieger. Er besass das Ballon-Brevet, das Segelflieger-Brevet C und das Brevet für Autogiros. Sein Motorflug-Brevet erflog er auf einem Blériot XI im französischen Etampes. Bis 1940 hatte Gsell 179 Flugzeugtypen geflogen, viele davon als Einflieger in Berlin- Johannisthal, wo er «alles flog, was Flügel hatte».

Seite 22


Lebendige Aviatik

Die Luftfahrt bildet dieses Jahr auch im Verkehrshaus der Schweiz einen wichtigen Schwerpunkt. Nicht nur wurde die Halle Luft- und Raumfahrt neu gestaltet: Eine Sonderausstellung vom 31. März bis 24. Oktober ist «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» gewidmet, und übers ganze Jahr verteilt finden Sonderaktionen statt.

Die Sonderausstellung erinnert an eine Vielzahl von Ereignissen im entscheidenden Jahr 1910. Die ersten Flüge von Paul Engelhard in St.Moritz, der erste Flug von Ernest Failloubaz mit dem Eindecker von René Grandjean, die Eröffnung der Luzerner Luftschiffstation, der Rekordflug von Armand Dufaux der Länge nach über den Genfersee und die erste Alpenquerung durch den Peruaner Geo Chavez werden thematisiert.

Seite 28


Der Geschichte auf der Spur

Fluggeschichte und Fliegertechnik zum Anfassen zeigen die drei Museen in Payerne, Dübendorf und Altenrhein. In ihren Ausstellungen lebt die Fliegerei der Schweiz von der Pionierzeit bis zur Gegenwart. Eine Zusammenfassung.

Das Militärflugzeugmuseum Clin d’Aile zeigt die militärische Luftfahrt der Schweiz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Museum ist auf der Basis der Schweizer F/A-18 gelegen: Die Besucher haben freien Blick auf die Piste des Militärflugplatzes Payerne und einen Zugang zum Rollweg. Von der musealen Terrasse aus können die Bewegungen von F/A-18 Hornet, F-5 Tiger, Super Puma usw. mitverfolgt und fotografiert werden.

Seite 33


Eine bedeutende Industrie

Aus den Anfängen der Luftfahrt vor 100 Jahren hat sich ein volkswirtschaftlich bedeutungsvoller Wirtschaftszweig entwickelt. Auch der Leichtaviatik auf den Flugplätzen fällt eine wichtige Rolle in der qualifizierten Nachwuchssicherung der Berufspiloten zu. Und sie verleiht der regionalen Wirtschaft Impulse.

Die Flugpioniere und Helden ihrer Zeit waren Wegbereiter für eine beispiellose Entwicklung der Luftfahrt in der Schweiz. Heute stellt diese einen volkswirtschaftlich bedeutungsvollen Wirtschaftszweig dar, bietet Arbeitsplätze für 180000 Menschen, verbindet die Schweiz mit der Welt, ist ein wichtiger militärischer Pfeiler der Landesverteidigung, bietet einer Vielzahl von Piloten ein luftsportliches Betätigungsfeld und verfügt landesweit über eine bedeutende Infrastruktur.

Seite 34


Flug in die Zukunft

Niemals hätten es sich die ersten Flug-Pioniere zu erträumen gewagt, zu welcher Entwicklung sie den Grundstein gelegt haben. Die Luftfahrt von heute lag vor 100 Jahren jenseits allen Vorstellungsvermögens der Menschen. In welchen Dimensionen wird sich die Luftfahrt von morgen bewegen? Welche Helden und Pioniere werden am Ende der kommenden zehn Dekaden gefeiert? Die Antworten auf diese Fragen liegen wohl ebenfalls jenseits der heutigen Vorstellungskraft. Ein Blick in die Zukunft – mit einem grosszügigen Mass an Hypothesen, Spekulationen und Vermutungen.

Beam me up, Scotty ...» Das legendäre Kommando ist Kult, untrennbar mit der Science-Fiction-Serie «Star Trek» verbunden. Kurzerhand von der Haustüre weg direkt ins Büro gebeamt, statt täglich im Stau zu verharren; nach der Arbeit noch kurz einen Abstecher auf die Malediven, statt einfach nur ein paar Runden im Freibad zu drehen; flash und weg – mitten aus einer verfänglichen Situation ... Nur: Fiktion und Realität sind erfahrungsgemäss nicht zwangsläufig deckungsgleich – noch nicht.

Seite 37


Eine gewichtige Stimme

Die Schweiz feiert 100 Jahre Luftfahrt – und weiss kaum, dass es den Aero-Club der Schweiz bereits seit 109 Jahren gibt. Er hat die Geschichte der Luftfahrt mitgeprägt – und tut dies auch heute noch. Mit gegen 23000 Mitgliedern und acht Sparten fällt dem AeCS eine wichtige Rolle zu.

Wenn das Jubiläumsjahr der Schweizer Luftfahrt zu Ende sein wird, hätte der Aero-Club der Schweiz bereits wieder einen Grund zum Feiern: Der heutige Dachverband der Leichtaviatik wird im Jahr 2011 den 110. Geburtstag feiern können.

Seite 45


Die Luftfahrt auf Briefmarken

Die Luftfahrt hat in der Schweiz einen bedeutenden Stellenwert – so bedeutend, dass ihr die Schweizer Post aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums vier Sondermarken widmet.

Zwei Sujets sind der Vergangenheit gewidmet, zwei der Gegenwart: Bedeutende Abschnitte der Entwicklung der Luftfahrt in der Schweiz sind sehr attraktiv dargestellt. Die 85-Rappen-Marke zeigt den Pionier Ernest Failloubaz sowie den Grandjean-Eindecker, das erste in der Schweiz konstruierte Flugzeug von René Grandjean aus Bellerive, welches auch von Ernest Failloubaz geflogen wurde.

Seite 49

 
   
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