Ausgabe 4/2018

Man konnte das Aufatmen förmlich hören. Unter den sechs lange Jahre dauernden Streit zwischen dem Regionalverband Aargau des Aero-Clubs der Schweiz und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt
(BAZL) um die Breite der Tarmac-Rollgassen hat das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Auf dem Papier ging der Flugplatz Birrfeld, welcher dem Aargauer Aero-Club gehört, als Etappensieger hervor (siehe Bericht ab Seite 44). Die Freude bei den Verantwortlichen auf dem Birrfeld war verständlicherweise gross nach dieser intensiven, nervenaufreibenden und Kosten verursachenden Zeit der Unsicherheit. Werner Neuhaus, Präsident des Regionalverbands, zeigte sich zufrieden und bezeichnete das Urteil als «wegweisend für die gesamte Kleinaviatik in der Schweiz». Sein Appell an die Aviatikgemeinde anlässlich der AeCS-Delegiertenversammlung war deutlich: «Falls Sie ähnliche Probleme haben wie wir, dann zögern Sie nicht und schalten Sie einen Anwalt ein, der den Ermessensspielraum und die Verhältnismässigkeit beurteilen kann.»

Angesichts der Tatsache, dass Werner Neuhaus und mit ihm der gesamte Vorstand des Regionalverbands Aargau eine belastende Zeit hinter sich haben, überrascht seine Aussage nicht: «Das BAZL hat in der Vergangenheit wiederholt versprochen, seine Aufsichtstätigkeit mit Augenmass ausüben zu wollen. Davon sah man bisher leider nur wenig.» Auch die Politik wolle keine Überregulierungen, wie AeCS-Präsident und Nationalrat Matthias S. Jauslin betont: «Das Urteil zeigt, dass bei der Umsetzung internationaler Empfehlungen dem gesetzgeberischen Willen, nämlich Überregulierungen zu vermeiden, Rechnung getragen werden muss.» Das BAZL interpretiert das Urteil anders. Materiell habe ihm das Gericht Recht gegeben. Und man habe mit der gebotenen Zurückhaltung hinsichtlich einer allfälligen Überregulierung gehandelt.

Beide Parteien werden nun vom Bundesverwaltungsgericht zurückgeschickt auf Feld 1. Es bleibt zu hoffen, dass letztlich die Vernunft obsiegen wird. «Die schönste Frucht der Gerechtigkeit ist Seelenfrieden», sagte der griechische Philosoph Epikur. Das ist allen Beteiligten nur zu wünschen.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 3/2018

Es ist das Schreckensszenario eines jeden Helikopterpiloten: der Moment, wenn der in der Luft schwebende Heli plötzlich wie ein Stein in Richtung Boden sinkt. Das Phänomen heisst «vortex ring state» und bedeutet, dass der Helikopter im Schwebeflug oder bei geringer horizontaler Geschwindigkeit in den vom eigenen Hauptrotor erzeugten Abwind gerät. Schon in der Ausbildung lernt jeder Helipilot, wie das Wirbelringstadium unterbrochen werden kann. Eine rasche Reaktion ist existenziell, da durch die enorme Sinkgeschwindigkeit die Flughöhe unter Umständen zu gering ist, um den Vortex zu beenden. Neben den herkömmlichen Möglichkeiten gibt es eine weitere, lebensrettende Technik, benannt nach jenem Schweizer, von dem sie stammt: Claude Vuichard. Drei Jahrzehnte, nachdem der ehemalige BAZL-Inspektor die «Vuichard Recovery» entwickelt hat, wurden seine Verdienste an der diesjährigen HAI Heli-Expo in Las Vegas mit dem Safety Award ausgezeichnet (Seite 6). Die internationale Akzeptanz der Methode manifestiert sich zwar bereits seit Jahren. Mit der Auszeichnung wurde dem Beitrag Vuichards zur Helikopterflugsicherheit nun aber verdienterweise Tribut gezollt.

«Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.» Wovon eine der bedeutendsten Politikerinnen des 20. Jahrhunderts, Eleanor Roosevelt, überzeugt war, prägt auf eine Weise auch das Leben von Frido Stutz. Er setzte erfolgreich in die Realität um, wovon er schon als Bub geträumt hatte. Seine fliegerische Karriere führte ihn vom Segelflug-Cockpit bis ans Steuerhorn eines B-747-8 Frachters (ab Seite 30). Der heute 64-Jährige ist zudem Gründer verschiedener Start-up Unternehmen im Bereich technischer und innovativer Entwicklungen und unternehmerischer Aktivitäten für nachhaltige Mobilität und Energieerzeugung. Er hat – frei nach da Vinci – seinen «Karren an einen Stern gebunden» und ist Vorbild für den fliegerischen Nachwuchs, dem er gleichermassen unprätentiös wie motivierend empfiehlt: «Just do it!»

Eine weitere eindrückliche Pilotengeschichte gefällig? Wie ein promovierter Ökonom als Absetzpilot in Kuwait landete, lesen Sie ab Seite 32. Lassen Sie sich von dieser Ausgabe inspirieren. Es ist nie zu spät, Träume zu wagen.

Patricia Andrighetto

Redaktorin

Ausgabe 2/2018

«In dem Moment, in dem ein Mensch ein Smartphone oder Tablet in die Hand nimmt, schaltet sein Gehirn in den Zielmodus.  Der  Nutzer  möchte relativ schnell ein Ziel erreichen.  Das ergibt  eine  Art  Stress. Ganz anders,  wenn  ein  Mensch  eine  gedruckte  Zeitschrift  in  die  Hand

nimmt: Dann  schaltet  sein  Gehirn  in  den  Flaniermodus. Er ist entspannter und nimmt Inhalte anders auf.» Hirnforscher Hans-Georg Häusel nutzt in einem Interview mit der Printzeitung des Verbands Schweizer Medien diesen Vergleich zur Erklärung, wie gedruckte Medien ihre Wirkung entfalten, und er ist überzeugt: «Die digitale Welt hat viele Vorteile, aber vieles kann Print einfach besser.» Zum Beispiel vertiefende Informationen vermitteln. In der elektronischen Informationsflut ist Print demnach ein wirkungsvolles Mittel, um differenzierte Botschaften zu positionieren. Der Aero-Club nutzt mit seiner Webseite (die zusammen mit jener der AeroRevue kürzlich einem Relaunch unterzogen wurde; Hinweis auf Seite 36), Facebook, Twitter, Instagram und dem Newsletter zeitgemäss digitale Kanäle. Und die AeroRevue ist seit einigen Jahren auch als App erhältlich.Die wenigsten AeCS-Mitglieder verzichten indes auf die Printausgabe. «Nur noch auf digitale Kanäle zu ­setzen ist der falsche Weg», ist Aero-Club-Zentralpräsident ­Matthias Samuel Jauslin überzeugt, der im Interview (ab Seite  30) eine Bilanz über sein erstes Amtsjahr zieht und sich in diesem Rahmen auch zur Verbandskommunikation äussert.

Freilich: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, ebenso wenig die technische Aufrüstung in den Cockpits. «Letztere hingegen ist keinesfalls durch fliegerisches Handwerk zu ersetzen», betont Daniel W. Knecht, Leiter des Untersuchungsdienstes der SUST im Beitrag ab Seite 14. Die Statistik

zeigt: Unfälle mit tödlichem Ausgang ereignen sich überdurchschnittlich oft mit Flugzeugen, die über ein Glascockpit verfügen – und das, obwohl die moderne Technik das Fliegen nachweislich ­sicherer macht. Ausrüstung ist eben kein Ersatz für Können. Und nur wer weiss, wann welche Hilfsmittel wie eingesetzt werden, wer sich nicht nur auf die Elektronik verlässt, den Flug wie früher auch noch auf dem Papier plant und sich auch ohne GPS jederzeit über seine Position im Klaren ist, kann ruhig und überlegt agieren.

In diesem Sinne: Ihnen allen eine unfallfreie, erfolgreiche und grossartige neue Flugsaison!

Patricia Andrighetto

Redaktorin

Ausgabe 12/ 2017

Eigenartiges geschieht in diesem Land. Da präsentiert die Flugplatz Dübendorf AG (FDAG) Mitte November das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs, welches dereinst dem Flugplatz Dübendorf ein Gesicht verleihen soll (siehe Seite 28). Ein Rückblick: Am 3. September 2014 entschied der Bundesrat, den Militärflugplatz Dübendorf künftig als «ziviles Flugfeld mit Bundesbasis» zu nutzen, und ernannte die Flugplatz Dübendorf AG als Betreiberin. Gestützt auf eine Rahmenvereinbarung mit dem Bund wurde die FDAG beauftragt, den zivilen Flugplatz nach den konzeptionellen Vorgaben des Bundes zu planen, zu erstellen und basierend auf einer Betriebsbewilligung und einem Baurechtsvertrag über 30 Jahre zu betreiben. Soweit so gut, könnte man meinen. Doch wenige Tage nach der Präsentation baten die drei Anrainergemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen bei Brüttisellen ihre Stimmberechtigten an die Urne, um ein Alternativkonzept gutzuheissen, welches die drei Gemeinden als Betreiber eines «Historischen Flugplatzes mit Werkflügen» vorsieht. «Zum Schutz der Bevölkerung soll es von einer Auslagerung von Teilen der Businessflüge des Flughafens Kloten nach Dübendorf sowie von einer Ausweitung der Betriebszeiten absehen», heisst es aus den drei Gemeinden. Abgestimmt wurde über einen interkommunalen Vertrag zur Zusammenarbeit und Gründung einer Aktiengesellschaft einschliesslich einer entsprechenden Finanzierungsvorlage zur Deckung des Aktienkapitals und des jährlich anfallenden Defizits. Alle drei Gemeinden stimmten der Vorlage zu und damit einem einmaligen Kostenanteil von zwei Millionen Franken am Aktienkapital sowie jährlich wiederkehrenden Kosten am Betriebsdefizit von 1,3 Millionen Franken. Über dreissig Jahre summieren sich so rund 40 Millionen, welche die Einwohner über die Steuern zu berappen hätten. Hätten. Denn der Bund wird sich von der Konsultativabstimmung nicht beeindrucken lassen, will er weiterhin als ein verlässlicher Partner gelten. Und ein verlässlicher Partner ändert seine Meinung nicht wie ein Windsack auf dem Flugplatz, welcher sich nach der gerade herrschenden Brise ausrichtet. Das wäre ja noch eigenartiger…

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

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