Ausgabe 5/2018

«Ja, ich würde auch heute noch in den Tiger einsteigen und fliegen.» Die Antwort auf die entsprechende Frage stammt von einem ehemaligen Tiger-Piloten der Luftwaffe – und sie kam postwendend. Tausende Flugstunden hat der pensionierte Luftwaffenpilot im Cockpit des Jets verbracht. Stunden, in denen er mit dem Flugzeug eins wurde, mit den Systemen, Instrumenten, Schaltern, dem Steuerknüppel und dem Schleudersitz quasi zusammenwuchs. Stunden, in denen er und das Flugzeug höchsten Belastungen ausgesetzt waren, in denen sie Grenzen ausloteten, Extremsituationen erlebten – und sie meisterten.So entsteht Vertrautheit. Und Vertrautheit schafft Sicherheit. Der Pilot feierte kürzlich den 71. Geburtstag.

Auch die Schweizer Luftwaffe feierte am 27. April – nämlich die Jubiläen 40 Jahre F-5 Tiger und 30 Jahre Turboprop-Trainer und Zieldarsteller Pilatus PC-9. Ein Jubiläum, welches zelebriert werden wollte – unter anderem mit ehemaligen und aktiven Piloten der beiden «Jubilare». Sie erschienen zahlreich zum Feste auf dem Flugplatz Emmen. Ergraut die einen, mit Bauchansatz die anderen, sportlich die jüngeren. Das Wiedersehen mit den Kameraden, das Schwelgen in Erinnerungen – es bereitete allen sichtlich Freude. Sie wussten viel zu erzählen. Beispielsweise Beat Neuenschwander, der ehemalige AeCS Präsident,Berufsmilitärpilot und Kommandant der ersten operationellen Tiger-Staffel. Er war während 26 Jahren mit dem Tiger eng verbunden, war damals bei der Auslieferung, der Einführung, der Umschulung, den ersten Einsätzen des Kampfjets dabei. In einer Zeit, als die Sicherheit nicht an erster Stelle stand, dafür die stete Bereitschaft zum Luftkampf: «Ready to fight», lautete die Maxime. Es waren Reminiszenzen, welche an die «guten alten Zeiten» erinnerten, als noch möglich war, was heute undenkbar ist. Mit seinem Referat bot er einen Einblick in die Welt der damaligen Kampfpiloten, im Einsatz während einer vom kalten Krieg geprägten Zeit.

Viele der Piloten, welche die ersten Stunden der Tiger und PC-9 miterlebten, sind heute «ausser Dienst». Nicht so die «Jubilare» selber. Einige stehen noch immer im Einsatz, etwa für die Patrouille Suisse. Der heutige Flottenchef F-5 und PS-Kommandant, Oberstleutnant Nils Hämmerli, betonte denn auch, dass die Ära noch nicht vorbei sei. Luftwaffenchef Divisionär Bernhard Müller zeigte sich in seiner Ansprache stolz auf die Kultur in der Luftwaffe. Eine Kultur, der es Sorge zu tragen gelte. Dieses Jubiläum leistete dazu einen Beitrag. Der Geist jedenfalls war spürbar. Es ist ein guter Geist.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 4/2018

Man konnte das Aufatmen förmlich hören. Unter den sechs lange Jahre dauernden Streit zwischen dem Regionalverband Aargau des Aero-Clubs der Schweiz und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt
(BAZL) um die Breite der Tarmac-Rollgassen hat das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Auf dem Papier ging der Flugplatz Birrfeld, welcher dem Aargauer Aero-Club gehört, als Etappensieger hervor (siehe Bericht ab Seite 44). Die Freude bei den Verantwortlichen auf dem Birrfeld war verständlicherweise gross nach dieser intensiven, nervenaufreibenden und Kosten verursachenden Zeit der Unsicherheit. Werner Neuhaus, Präsident des Regionalverbands, zeigte sich zufrieden und bezeichnete das Urteil als «wegweisend für die gesamte Kleinaviatik in der Schweiz». Sein Appell an die Aviatikgemeinde anlässlich der AeCS-Delegiertenversammlung war deutlich: «Falls Sie ähnliche Probleme haben wie wir, dann zögern Sie nicht und schalten Sie einen Anwalt ein, der den Ermessensspielraum und die Verhältnismässigkeit beurteilen kann.»

Angesichts der Tatsache, dass Werner Neuhaus und mit ihm der gesamte Vorstand des Regionalverbands Aargau eine belastende Zeit hinter sich haben, überrascht seine Aussage nicht: «Das BAZL hat in der Vergangenheit wiederholt versprochen, seine Aufsichtstätigkeit mit Augenmass ausüben zu wollen. Davon sah man bisher leider nur wenig.» Auch die Politik wolle keine Überregulierungen, wie AeCS-Präsident und Nationalrat Matthias S. Jauslin betont: «Das Urteil zeigt, dass bei der Umsetzung internationaler Empfehlungen dem gesetzgeberischen Willen, nämlich Überregulierungen zu vermeiden, Rechnung getragen werden muss.» Das BAZL interpretiert das Urteil anders. Materiell habe ihm das Gericht Recht gegeben. Und man habe mit der gebotenen Zurückhaltung hinsichtlich einer allfälligen Überregulierung gehandelt.

Beide Parteien werden nun vom Bundesverwaltungsgericht zurückgeschickt auf Feld 1. Es bleibt zu hoffen, dass letztlich die Vernunft obsiegen wird. «Die schönste Frucht der Gerechtigkeit ist Seelenfrieden», sagte der griechische Philosoph Epikur. Das ist allen Beteiligten nur zu wünschen.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 3/2018

Es ist das Schreckensszenario eines jeden Helikopterpiloten: der Moment, wenn der in der Luft schwebende Heli plötzlich wie ein Stein in Richtung Boden sinkt. Das Phänomen heisst «vortex ring state» und bedeutet, dass der Helikopter im Schwebeflug oder bei geringer horizontaler Geschwindigkeit in den vom eigenen Hauptrotor erzeugten Abwind gerät. Schon in der Ausbildung lernt jeder Helipilot, wie das Wirbelringstadium unterbrochen werden kann. Eine rasche Reaktion ist existenziell, da durch die enorme Sinkgeschwindigkeit die Flughöhe unter Umständen zu gering ist, um den Vortex zu beenden. Neben den herkömmlichen Möglichkeiten gibt es eine weitere, lebensrettende Technik, benannt nach jenem Schweizer, von dem sie stammt: Claude Vuichard. Drei Jahrzehnte, nachdem der ehemalige BAZL-Inspektor die «Vuichard Recovery» entwickelt hat, wurden seine Verdienste an der diesjährigen HAI Heli-Expo in Las Vegas mit dem Safety Award ausgezeichnet (Seite 6). Die internationale Akzeptanz der Methode manifestiert sich zwar bereits seit Jahren. Mit der Auszeichnung wurde dem Beitrag Vuichards zur Helikopterflugsicherheit nun aber verdienterweise Tribut gezollt.

«Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.» Wovon eine der bedeutendsten Politikerinnen des 20. Jahrhunderts, Eleanor Roosevelt, überzeugt war, prägt auf eine Weise auch das Leben von Frido Stutz. Er setzte erfolgreich in die Realität um, wovon er schon als Bub geträumt hatte. Seine fliegerische Karriere führte ihn vom Segelflug-Cockpit bis ans Steuerhorn eines B-747-8 Frachters (ab Seite 30). Der heute 64-Jährige ist zudem Gründer verschiedener Start-up Unternehmen im Bereich technischer und innovativer Entwicklungen und unternehmerischer Aktivitäten für nachhaltige Mobilität und Energieerzeugung. Er hat – frei nach da Vinci – seinen «Karren an einen Stern gebunden» und ist Vorbild für den fliegerischen Nachwuchs, dem er gleichermassen unprätentiös wie motivierend empfiehlt: «Just do it!»

Eine weitere eindrückliche Pilotengeschichte gefällig? Wie ein promovierter Ökonom als Absetzpilot in Kuwait landete, lesen Sie ab Seite 32. Lassen Sie sich von dieser Ausgabe inspirieren. Es ist nie zu spät, Träume zu wagen.

Patricia Andrighetto

Redaktorin

Ausgabe 2/2018

«In dem Moment, in dem ein Mensch ein Smartphone oder Tablet in die Hand nimmt, schaltet sein Gehirn in den Zielmodus.  Der  Nutzer  möchte relativ schnell ein Ziel erreichen.  Das ergibt  eine  Art  Stress. Ganz anders,  wenn  ein  Mensch  eine  gedruckte  Zeitschrift  in  die  Hand

nimmt: Dann  schaltet  sein  Gehirn  in  den  Flaniermodus. Er ist entspannter und nimmt Inhalte anders auf.» Hirnforscher Hans-Georg Häusel nutzt in einem Interview mit der Printzeitung des Verbands Schweizer Medien diesen Vergleich zur Erklärung, wie gedruckte Medien ihre Wirkung entfalten, und er ist überzeugt: «Die digitale Welt hat viele Vorteile, aber vieles kann Print einfach besser.» Zum Beispiel vertiefende Informationen vermitteln. In der elektronischen Informationsflut ist Print demnach ein wirkungsvolles Mittel, um differenzierte Botschaften zu positionieren. Der Aero-Club nutzt mit seiner Webseite (die zusammen mit jener der AeroRevue kürzlich einem Relaunch unterzogen wurde; Hinweis auf Seite 36), Facebook, Twitter, Instagram und dem Newsletter zeitgemäss digitale Kanäle. Und die AeroRevue ist seit einigen Jahren auch als App erhältlich.Die wenigsten AeCS-Mitglieder verzichten indes auf die Printausgabe. «Nur noch auf digitale Kanäle zu ­setzen ist der falsche Weg», ist Aero-Club-Zentralpräsident ­Matthias Samuel Jauslin überzeugt, der im Interview (ab Seite  30) eine Bilanz über sein erstes Amtsjahr zieht und sich in diesem Rahmen auch zur Verbandskommunikation äussert.

Freilich: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, ebenso wenig die technische Aufrüstung in den Cockpits. «Letztere hingegen ist keinesfalls durch fliegerisches Handwerk zu ersetzen», betont Daniel W. Knecht, Leiter des Untersuchungsdienstes der SUST im Beitrag ab Seite 14. Die Statistik

zeigt: Unfälle mit tödlichem Ausgang ereignen sich überdurchschnittlich oft mit Flugzeugen, die über ein Glascockpit verfügen – und das, obwohl die moderne Technik das Fliegen nachweislich ­sicherer macht. Ausrüstung ist eben kein Ersatz für Können. Und nur wer weiss, wann welche Hilfsmittel wie eingesetzt werden, wer sich nicht nur auf die Elektronik verlässt, den Flug wie früher auch noch auf dem Papier plant und sich auch ohne GPS jederzeit über seine Position im Klaren ist, kann ruhig und überlegt agieren.

In diesem Sinne: Ihnen allen eine unfallfreie, erfolgreiche und grossartige neue Flugsaison!

Patricia Andrighetto

Redaktorin

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